Christliche Pfadfinderschaft, Stamm Paul Gerhardt


Am Sankt Georgstag (= Schutzpatron der Pfadfinder) im April 1950 wurden in Zehlendorf die ersten Gruppen in die Christliche Pfadfinderschaft Deutschlands aufgenommen (CP). Schon vorher hatte es dort Gruppen der Evangelischen Jugend gegeben. Der damalige Jugendpfarrer Hellmuth Linke, der später dann Gemeindepfarrer in Schlachtensee wurde, berichtet darüber in seiner Autobiographie: Wie es kam, war es gut (Gelnhausen 2004, Triga Verlag, S. 471ff). Er beschreibt dabei eine Begebenheit aus einer Freizeit in dem Jugendlager auf der Pfaueninsel:
Ein anderes Unternehmen in Berlin wurde auch zum Ausdruck des guten Geistes, aus dem die Zehlendorfer »Junge Gemeinde« lebte. Die Stadtverwaltung richtete für die Jugendverbände Berlins während der Berliner Blockade*, wo niemand aus Berlin mehr hinaus aufs Land oder in die neu gegründete Bundesrepublik auf dem Landweg gelangen konnte, ein Erholungslager auf der Pfaueninsel ein, das im 14-tägigem Wechsel den Sommer über von Jugendgruppen in Anspruch genommen werden konnte. Wir belegten einen solchen Erholungsaufenthalt auch für eine größere Gruppe. Es gab gutes Essen, man konnte in der Havel baden, und im Übrigen war kein verbindliches Programm vonseiten der Leitung des Erholungslagers angesetzt. Die meisten Jugendlichen aus der Innenstadt, von den verschiedensten Verbänden betreut, lebten daraufhin gänzlich in den Tag hinein. Wir aber machten uns ein Tagesprogramm mit Bibelarbeiten, Singen und Spielen, bildeten kleine Gruppen, die Verantwortliche führten, und wir erarbeiteten uns ein kleines Laienspiel, das Klaus Detert, einer der unsrigen, selbst entworfen hatte, um es beim Abschiedsnachmittag, wo jede Gruppe etwas beitragen sollte, aufführen zu können.
(
* Nach Auskunft eines Teilnehmers fand das Lager schon 1947 statt.)


Foto (01): Jugendlager auf der Pfaueninsel, (c) Kirchengemeinde Schlachtensee

Das Spiel bekam den Namen »Kartoffeln klauen?«, denn es war ein ganz aktueller Punkt im damaligen Leben, wo Berlin bei der Blockade nur aus der Luft versorgt wurde. Mit unseren Aktivitäten stachen wir von den übrigen jungen Leuten während der Ferienzeit sehr ab und wurden über unsere Bibelarbeiten und unser Singen etwas verlacht. Als wir am Abschiedsnachmittag auftraten, kam uns diese Anti-Stimmung auch entgegen. Wir hatten aber sehr intensiv geübt und den Sinn des Stückes vom 7. Gebot »Du sollst nicht stehlen« her entwickelt. Es wurde sehr überzeugend dargestellt, dass Stehlen nichts einbringt und dem anderen sein Vertrauen ins Zusammenleben zerstört und ihn nicht nur materiell schädigt. Unsere Erfahrung mit der Kollekte in unserem Fürbitte-Gottesdienst gab uns Mut, etwas Positives auszusagen, und als wir geendet hatten, kam brausender Beifall aus der Zuschauerschar, die uns anfangs so reserviert gegenübergestanden hatte. Für unsere Gruppe war das eine Bestätigung, die uns sehr festigte und uns spüren ließ, dass es sich lohnte, bei uns mitzumachen.

Es war noch in den Anfängen der Zehlendorfer Jugendarbeit, als Heinz Buchholz schon gestorben war und ich an Diphterie erkrankte und in eine Isolierstation im Behring-Krankenhaus für sechs Wochen in Quarantäne liegen musste. Neben der Sorge um meine Familie, von der ich später noch zu reden haben werde, überfiel mich die große Sorge um den Fortgang der Jugendarbeit, die noch gar nicht auf verantwortliche Mitarbeit fest gegründet war, sondern in fast allen Gruppen von mir selbst in Gang gehalten wurde, obwohl es unter der Gruppe der älteren sehr geeignete und eifrig Mitwirkende gab, die ich gerade in die Verantwortung stellen wollte. Ich fürchtete, dass die zaghaften Versuche nun nicht weitergehen würden. Ich bekam aber im Krankenhaus von (494) diesen Verantwortlichen bald Besuch. Zwar konnten wir uns nur durch eine Scheibe getrennt sehen und sprechen. Sie versicherten mir beglückt: »Alle Gruppen führen wir weiter, keine ist eingegangen!« Ich war sehr beschämt, dass ich geglaubt hatte, es hinge alles von mir ab. Es zeigte sich vielmehr, dass ich herausgenommen werden musste, um den jungen Leuten in ihrer Mitarbeit das Selbstständigwerden zu ermöglichen. Das hat mich sehr glücklich gemacht.“ (S.493ff)

An dieser Freizeit hat auch Manfred Karnetzki teilgenommen, der später auch Gemeindepfarrer in Schlachtensee wurde.

Die Initiative für die Gründung der CP in Zehlendorf ging u.a. von Klaus Detert aus, der in dem Text von Hellmuth Linke schon erwähnt wurde. Er hatte schon 1948 eine Jungschargruppe gegründet. Die in dem Text von Hellmuth Linke beschriebene Haltung: „Alle Gruppen führen wir weiter“ entsprach dem, was in der CP als „Führungslehre“ vertreten wurde: Jugend führt Jugend. Klaus Detert war später als Professor tätig, blieb aber zeitlebens in seiner inneren Haltung Christlicher Pfadfinder. Ein weiterer in den Anfängen Aktiver war u.a. Bringfried Naumann, der später in Berlin als Pfarrer tätig war.
In den 7Oer Jahren war dann Michael Maillard (michael.maillard(hier das(at))gmx.de) aktiv und hat den Stamm Stephanus des Verbandes Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) geleitet. Die VCP war die Nachfolgeorganisation der CP, nachdem sie sich 1973 u.a. mit dem Evangelischen Mädchenpfadfinderbund (EMP) vereinigt und organisatorisch und inhaltlich neu aufgestellt hatte. Michael Maillard wurde auch Pfarrer in Berlin und hat 2000 unter dem Titel: „Spurensicherung, Texte aus 50 Jahren Christlicher Pfadfinderarbeit im Südwesten Berlins“ eine Broschüre herausgegeben, in der die Entstehungsgeschichte genauer beschrieben wird und aus der im Weiteren zitiert werden wird.

Die örtlichen Gliederungen der CP wurden als „Stamm“ bezeichnet, die überörtlichen als „Gau“. Gegen die Nutzung solcher Begriffe gab es damals keine Bedenken, weil sie auf Traditionen vor der NS-Zeit zurückgriffen. Überhaupt waren die Gründungen der Gruppen nach 1945 ein Wiederaufleben der Traditionen der Jugendbewegung aus der Weimarer Republik, z.T. noch von alten Pfadfindern, die die NS-Zeit überlebt hatten.
Der erste „Stamm“ in Zehlendorf gründete sich im Bereich der Paulus-Kirchengemeinde und gab sich den Namen „Königsknappen“. Von dort aus wurden weitere Gruppen in anderen Gemeinden gegründet, so auch in Schlachtensee. Zu den ersten, die hier als „Gruppenführer“ aktiv wurden, zählte Horst Schulz aus dem Ilsensteinweg, der später auch Professor wurde und in die USA ging. Dieser Gruppe schloss sich auch mein Bruder, Frank Jordan, an, auch Pfarrer in Berlin.
Weitere Schlachtenseer Pfadfinder der ersten Zeit, an die ich mich noch erinnere, waren die Brüder Strube aus Nikolassee (Söhne von Prof. Strube, Merseburger Verlag, heute Strube Verlag München) und die Brüder Fischer aus der Breisgauer Straße. Sie alle waren musikalisch vorgebildet, hatten in Kinder- oder Jugendchören gesungen, so dass die Christlichen Pfadfinder in Schlachtensee eine deutlich musikalische Prägung erhielten. Es wurde viel gesungen, so dass es auch nicht verwunderlich ist, dass sie als Stammesnamen: Paul Gerhardt wählten.
Als Alternative war „Hermann von Salza“, der 4. Hochmeister des Deutschen Ordens, überlegt und sogar zeitweise angenommen worden. Dass dieser Name im Gespräch war, führe ich darauf zurück, dass die CP in Zehlendorf deutlich „preußisch“ geprägt war und sich in einer bemerkenswerten Weise der Ostkolonisation des Deutschritterordens verbunden fühlte. Man kann Hermann von Salza als den Ahnherren des historischen Staates Preußen nennen. Dementsprechend ist es auch nicht verwunderlich, dass „Heldisches“ –wenn auch im Kleinen- ein Bestandteil des „heimlichen Lehrplans“ der CP war. (Link zu Thesen zum Verhältnis: Pfadfinder – 68er Bewegung )

Ich selber bin ca. 1956, d.h. mit 12 Jahren, der CP beigetreten und war auch einige Jahre Gruppen und Stammesführer, zuletzt mit einer Jungengruppe aus der Stephanus-Gemeinde in Zehlendorf.

(Foto 02: CP Gruppe in der Stephanus-Gemeinde 1964, (c) Michael Mailliard)

Später war ich als Lehrer, als Volksbildungsstadtrat und in anderen Stabsfunktionen tätig. Aus dem Werdegang der genannten Personen, wird deutlich, dass die Mitglieder der CP (zumindest in Zehlendorf) aus gutbürgerlich oder bildungsbürgerlichen Kreisen kamen, sie passten zum Bezirk. Überhaupt waren Werte und Ziele der Pfadfinder in den 50er Jahren im Mainstream der Gesellschaft, auch wenn sie als Jugendorganisationen eher am Rande blieben.

In der o.g. Broschüre werden in einem Text aus dem Jahr 1961 u.a. die in Zehlendorf vorhandenen CP-Einheiten in einer deutlich jugendlich-frechen Weise beschrieben.
Zu Schlachtensee heißt es darin: „Paul Gerhardt (ehem. Hermann von Salza)
Die Bezeichnung (des) Stamm(es) ist ein Zeichen, daß dort, wie in Arndt, echte christliche Pfadfinderarbeit intensiv geleistet wurde. Wahrscheinlich unter dem Einfluß von Gemeindepfarrern in Schlachtensee, bezieht dieser Stamm eine linksstehende Haltung und betreibt infolgedessen betont antibündische Formen.
Der Stamm hat fernerhin die Eigenschaft, sehr gut singen zu können, und das Glück, immer wieder gute Sänger hereinzubekommen
.“
Zur CP in der Nachbargemeinde Ernst-Moritz-Arndt heißt es in diesem Text:
„Dieser Stamm bildete einen starken Gegenpol zu Paul Gerhardt, in dem er eine betonte Rechtshal-tung einnimmt, die manchmal wie ein Krampf wirken kann, bzw. den Schein des Krampfes hat. Aus dieser Haltung, dem Hervorheben der bündischen Formen, gewannen Verantwortungsgefühl, Härte und straffe Formen große Bedeutung.
Seinerzeit kann man sagen, war der Stamm die Elitegruppe im Gau, woher sich ein gewisses Stam-mesnationalgefühl entwickelte.

So unterschiedlich, wie hier pointiert beschrieben wurde, war die Situation in den Zehlendorfer CP-Einheiten, in einer gesellschaftlichen Nische war jede noch einmal ein Kosmos für sich.

Die zwei wesentlichen Arbeits- und Gesellungsformen der Pfadfinder waren und sind der „Heim-abend“ der Gruppe sowie Lager und Fahrt.
Bei dem wöchentlichen Treffen, dem Heimabend, wurde gesungen, in der Bibel gelesen oder über die Tageslosung (der Herrnhuter Brüdergemeinde) gesprochen, es gab ein Thema oder eine Aufgabe, es gab Spiele u.a. In der schon erwähnten Broschüre wird solch ein Heimabend (einer anderen Gruppe) beschrieben:    "Heimabend am 27. im Gilbhart (Oktober) 1954
Kurz nach 4 Uhr wurde der Heimabend mit dem Lied: Kreuzesfahnen... begonnen. Weil wir gerade beim Singen gewesen waren, kamen die ersten drei Strophen von: Wir lieben die Stürme... mit Trommelbegleitung hinterher. Unser Landesmarklied: Die Schritte hallen... wurde nur noch mit halber Stimmbeteiligung gesungen (sehr schade). Während unser Rottenführer die Losung langsam vorlas, wurden wir wieder ruhig und still.
Dann teilte uns Waufe die Tagesordnung mit, welche in eine sogenannte "Neben-" und "Hauptsache" gegliedert war. Die Decke unseres Raumes sollte im ersten Teil als Nachthimmel umgestaltet werden. Es war keine leichte Sache, das schwere Schwarzpapier zu halten, um es mit Nägeln an die Decke zu heften. Je länger man hielt, desto schlapper wurde der Arm. Der Mut sank auch immer mehr. Aber die Überraschung der "Hauptsache" munterte uns immer wieder auf. Und weil wir dies¬mal trotzdem fertig werden wollten, näherte sich das Ende der Arbeit immer mehr. Dann war auch auf einmal das Ende des Heimabends gekommen. Die ersehnte "Hauptsache" war ausgefallen und wir sangen uns mit dem Lied: Kameraden wir marschieren... die Enttäuschung vom Herzen. Mit einem kräftigen "Piraten Ahoi" wurde der Heimabend geschlossen. Auch als wir dann an die frische Luft kamen, war dort alles ins Regenwasser gefallen. "Ahoi" "


            Zu den Liedern:
            Innerhalb der CP gab es einen spezifischen „Grundkanon“ von Liedern mit einem starken  
            bekenntnishaften Charakter. Dazu gehörten: „Kreuzesfahnen wollen uns bahnen“ (s.o.)oder 
            „Heiß oder Kalt“. Dass es ein „Landesmarklied“ gab, wusste ich nicht mehr, es gab wohl auch
            ein „Gaulied“. Diese Lieder stammten zumeist aus den 30er Jahren und waren durch die
            Abgrenzung von bzw. den Kampf gegen die HJ geprägt. Ihre Texte können heute nur unter
            diesen historischen Bedingungen verstanden bzw. gesungen werden. Im Laufe der 60er
            Jahre kamen eine Reihe neuer CP-Lieder dazu, die u.a. stark von Eberhard Jäger
            („Schwarz ist der Wacholder“) geprägt .(siehe: Datenbank Deutsches Lied, E. Jäger).
            Darüber hinaus wurde in der CP auch alles gesungen, was in anderen Jugendbünden
            (Fahrtenlieder, Kosakenlieder, Shanties, Landsknechtslieder usw.) gesungen wurden, auch
            die aus den Kreisen der Gruppen um Rudi Rogoll u.a. ("Zogen viele Straßen" u.a.). 
            (http://www.scout-o-wiki.de/index.php/Rudi_Rogoll)
            Schließlich wurden in den 60er Jahren auch die „Lieder der Welt“ aus dem Klingende Brücke
            Kreis um Sepp Gregor bei den Gruppen (http://www.klingendebruecke.de/josef-gregor-
            grunder-der-klingenden-brucke/) aufgenommen, die das Singen besonders pflegten wie der
           Stamm Paul Gerhardt aus Schlachtensee.


Lager und Fahrten waren die Höhepunkte im Jahr. Im Sommer die „Groß-Fahrt“ oder ein Bundeslager und in den anderen Ferien, dann kürzere Fahrten. Für die Fahrtkosten gab es einen staatlichen Zuschuss über den Bundesjugendplan, Sonderplan Berlin. Bis Bayreuth, Herleshausen, Hannover und Hamburg wurden die Buskosten ganz übernommen. Es gab dafür eine besondere Koordinierungsstelle beim Reisebüro Travers, das es heute wohl noch in Berlin gibt.
Ich kann mich noch an zwei Bundeslager erinnern:
1960: 29.07.-07.08.: 4. CPD-Bundeslager in Fridingen, Donautal; über 4000 Teilnehmer; Motto: Wir und die Arbeitswelt
1964: 01.08.-10.08.: 5. CPD-Bundeslager im Schondratal, Detter bei Bad Brückenau; Motto: Freude und Spiel
http://www.scout-o-wiki.de/index.php?title=Bundeslager

  
 

 (Fotos: 03 a- d, Bundelager, (c) Dirk Jordan)
 


Innerhalb der CP hatten neben den Bundeslagern die Treffen auf der Burg Rieneck eine zentrale Bedeutung. Aus allen Landesmarken kamen Jugendliche. Ich erinnere mich an eine Reihe von Singewochen jeweils vor Ostern dort. Geprägt von der Karwoche und dann dem Osterfest mit entsprechenden Andachten, Konzerten u.a. gab es außerdem eine Vielzahl von Singe-Workshops, die dazu beitrugen, dass neue Lieder in die Gruppen kamen.


  
  






 (Fotos 4 a- d: CP Burg Rieneck, Singewochen,
 (c) Dirk Jordan)



Für den Gau Südwest gab es darüber hinaus eine besondere Tradition, die Hüttenfahrt in den Weihnachtsferien, zur Michelbachklause im Böhmerwald bei Neureichenau. Dazu ist eine eigene Geschichte zu erzählen, die im Sommer 1953 begann. Eine Gruppe der CP aus Zehlendorf war unter Leitung von Bringfried Naumann (s.o.) im Böhmerwald unterwegs. Bei einem längeren Regen haben sich abseits eines Waldwegs versucht unter Bäumen unterzustellen, wurden aber dennoch heftig nass. Dort haben sie zwei Waldarbeiter gefunden und sie eingeladen, in einer nicht bewohnten Hütte Schutz zu suchen. Sie blieben dort über Nacht und knüpften Kontakt zu ihren zwei „Rettern“. Es waren die Söhne Hansl + Franzl der Familie Altendorfer, die im Böhmerwald einen Waldbauernhof führten. Die „Hütte“ war das alte Bauernhaus, die Michelbachklause (800m), das die Vorfahren der Familie im 19. Jahrhundert dort gebaut hatten als sie aus Südtirol in den Böhmerwald gekommen waren. Der Bergbauernhof hat seinen Namen von dem vorbeifließenden Bach, dem „Schreienden Michel“.

Aus diesem ersten Kontakt entwickelte sich eine Freundschaft und ab Winter 1953/54 fuhren jedes Jahr Gruppen nach Weihnachten dorthin. Die erste Gruppe leitete Klaus Detert (s.o.). Ich selber bin vermutlich 1958 zum ersten Mal dort gewesen.
Nachdem der Vater gestorben war, übernahm Franzl die Bewirtschaftung des Hofs zusammen mit seiner Frau Marie. In den Jahren haben wir dann auch ihre zwei Söhne Phillip und Christoph kennengelernt.
Die Hüttenfahrt war „Abenteuer pur“ für uns. Der Bus brachte uns bis Frauenberg, dann ging es zu Fuß, d.h. im Winter auf Skiern, zur Hütte. Viele standen dabei zum ersten Mal auf Skiern und haben auf den schmalen Waldwegen Skifahren gelernt! Höhepunkt war jedesmal die Besteigung des Dreisesselberges (1.333m) und die anschließende Abfahrt. Zum Einkaufen mussten wir runter nach Neureichenau, zum Transport diente ein Holzfällerschlitten, auf dem wir unsere großen Rundbrote, die Marmeladeneimer und sonstigen Lebensmittel zur Hütte brachten. Vorher war beim (Edeka-Kaufmann) „Pöschel“ schon aus Berlin eine entsprechende Bestellung aufgegeben worden. Tradition wurden auch die Dorfabende, die wir veranstalteten mit Liedern und Sketchen. Der Dorfgasthof war gut gefüllt, es gab Punsch für uns und die Töchter des Besitzers der Gurkenfabrik in Neureichenau spendierten uns ein Gurkenfass.

 
  

  Die "Küche".
(Fotos: 5a - f: Hüttenfahrt, Michelbachklause, (c) Dirk Jordan)

Die Fahrten wurden bis Mitte der 60er Jahre fortgeführt, wann die letzte Fahrt stattfand, weiß ich nicht mehr. Der Kontakt zu Marie und Franzl riss nicht ab. Ich und andere haben sie in den Jahren immer mal wieder besucht. Sie waren in den 60er Jahren auch nach Neureichenau gezogen, weil das Leben oben auf dem Waldbauernhof zu hart war und eine Familie nicht mehr ernährte. Die Klause blieb aber bis heute im Familienbesitz.
Im August 2003 haben wir uns dann nach 50 Jahren mit einigen alten „Hüttenfahrern“ wieder dort getroffen. In Frauenberg steht noch wie damals das Stifterhotel und diente uns als Herberge. Am Sonnabendnachmittag gab es dann das große Treffen mit Hansl+Franzl+Marie und den Enkeln usw. bei der Klause. Dabei waren Klaus Detert, einige aus den Zehlendorfer und Steglitzer Gruppen und ich. Einen Bericht von dem Treffen findet Ihr hier


      Das alte "neue" Bauernhaus.

                          Marie
 
                  Franzl
 
     Franzl            und           Hansl
 

(Fotos: 6 a - f , Hüttentreffen 2003, (c) Dirk Jordan )

Im Internet findet sich u.a. die folgende Beschreibung der Klause und ihrer Umgebung. Der „alte Bauernhof“ ist der neue, den damals die Familie Altendorfer bewohnte und bewirtschaftete und das Ferienhaus ist die alte „Hütte“, die heute zum Ferienhaus umgebaut wurde. Damals wie heute ist man dort „abgeschnitten von jeglicher Zivilisation inmitten traumhafter Natur.“
„Vorbei an einer kleinen Jagdhütte erreichen wir bald eine große Wegkreuzung, die wir einfach überqueren und so nach ein paar hundert Metern zur Michelbachklause gelangen. Ein alter Bauernhof und ein Ferienhaus, liegt abgeschnitten von jeglicher Zivilisation inmitten traumhafter Natur und lädt zu einer kleinen Rast ein, um fernab jeglichen Lärm die Natur zu genießen.“
(http://www.bike-o-rama.de/wandertouren/klausgupf/ )



Wer sich durch den Text angeregt fühlt, an seine eigene Pfadfinderzeit zu denken, den o.g. Text ergänzen oder kommentieren möchte oder sich auf einem der Fotos wiedererkennt, kann an mich gerne schreiben: schlachtensee@...  und dann  jordandirk.de